Lufthansa Flugbegleiter Casting

Nachdem die aktuelle Situation für Piloten wirklich schlecht ist, ich aber unbedingt in der Luft arbeiten möchte, habe ich mich entschlossen, mich als Flugbegleiter bei der Lufthansa zu bewerben. Ich muss zugeben, dass mich der Beruf immer mehr fasziniert und begeistert – Ich kann es eigentlich gar nicht mehr bis zum Schulungsbeginn abwarten, aber erstmal alles von Anfang an.

Als ich mich dazu entschieden habe, Flugbegleiter zu werden, habe ich mich ganz klassisch online über www.be-lufthansa.de beworben und meine Daten, sowie ein ausführliches Motivationsschreiben angefügt. Daraufhin sollte man einen Online-Test machen, in dem die Englischfähigkeiten überprüft wurden. Anschließend ist man zum Assessment-Center eingeladen worden (Die Reisekosten – sofern mit dem Flugzeug – werden dabei von Lufthansa in Form eines Stand-by Tickets übernommen.

Kurzfristig habe ich vom Flugbegleiter Casting in Bamberg am 4.3.17 gehört und habe mich spontan dazu entschlossen, einfach an dem Casting teilzunehmen. Wie das so abgelaufen ist möchte ich euch nun gerne erzählen.

Also offizieller Beginn war um 09.00 in einem Kongresshotel in Bamberg. Wie bereits auf der Internetseite geschrieben war, reichte es völlig aus, lediglich seinen Personalausweis mitzubringen. Ich bin um 5 vor neun mit dem Auto angekommen und bin in das Kongresshotel gegangen. Bis auf eine beachtlich lange Schlange war von Lufthansa keine Spur. Ich stellte mich also ganz hinten an und war damit nicht einmal der Letzte (ca. 80 Bewerber kamen noch nach mir). Nach 2 1/2 Stunden Schlange stehen ging es dann auch zum Check-in. Hier müsst ihr eure persönlichen Daten eintragen und allgemeine Fragen beantworten. Anhand dieser Angaben wird anschließend (nochmal 1 Stunde Wartezeit) geprüft, ob ihr die Grundvoraussetzungen für den Beruf des Flugbegleiters erfüllt. Noch ein Foto und ihr bekommt ein Schild mit eurer Bewerbernummer und dem Namen. Ich war Nummer 220 und somit einer der Letzten.
Ihr solltet folgende Voraussetzungen für den Beruf des Flugbegleiter mitbringen:

  • Mindestalter 18 Jahre (Bewerbung ab 17 ½ Jahren möglich)
  • Abgeschlossene Schulausbildung
  • Mindestgröße 1,60 m, Maximalgröße: 1,95 m und ein angemessenes Körpergewicht
  • Sehschärfe zwischen +/- 5 Dioptrien
  • Deutsch und Englisch fließend
  • Reisepass ohne Einschränkung, mindestens 12 Monate Gültigkeit
  • Keine sichtbaren Tattoos und Piercings
  • Sicheres Schwimmen
  • Bereitschaft in die Nähe von Frankfurt bzw. München zu ziehen, sofern Sie nicht bereits im Umkreis des Einsatzortes wohnen
  • Die Frist von 365 Tagen für eine Wiederbewerbung nach einer bereits erhaltenen Absage ist abgelaufen

Ablaufplan Casting

Nach dem erfolgreichen Check-in ging es in den Wartebereich 1 – dort waren Trolleys mit kleinen Snacks und Wasser aufgebaut. Aktive Flugbegleiter beantworteten die Fragen der Bewerber und sollten wohl ein bisschen die Anspannung rausnehmen. Ich persönlich habe viele nette Leute kennengelernt und ein paar schöne Erfahrungen sammeln können. Nach weiteren 5 Stunden (Ja, richtig: 5 Stunden!) Wartezeit wurde ich zum Pre-Screening aufgerufen. Man wurde immer gruppenweise aufgerufen, so war ich zusammen mit 5 weiteren Bewerbern in der nächsten Runde. Wird wurden in Warteraum 2 gebracht, in dem bereits ein paar weitere Bewerber saßen. Anschließend wurde man von einer Mitarbeiterin aufgerufen, die einen dann zum Pre-Screening mitnahm.

Das Pre-Screening findet unter 4 Augen statt und ist überwiegend auf Englisch. Je nach aktuellem Berufsstand und Alter, fallen auch die Fragen unterschiedlich aus. Da ich 18 Jahre bin und gerade Abitur mache, fielen die berufsspezifischen Fragen zu meiner derzeitigen Beschäftigung raus. Stattdessen fragte sie mich, was ich denn aktuell machen würde (Schule, Hobbys, Nebenjob, etc.). Weiter Fragen waren:

  • Wie mein soziales Umfeld zu meiner Entscheidung, Flugbegleiter zu werden, steht (Familie, Freunde)
  • Wie der Arbeitsalltag eines Flugbegleiters aussieht
  • Welche Nachteile es hat, Flugbegleiter zu sein
  • Welche Aufgaben ein Flugbegleiter hat
  • Wieso ich mich bei Lufthansa beworben habe

Zum Schluss wollte sie noch wissen, welches Modell (50% oder 83%) und welche Station (München oder Frankfurt) ich gerne hätte. Die meisten Fragen waren wie gesagt auf Englisch. Dabei wollen sie eben nur sehen, dass man flüssig kommunizieren kann und das die Aussprache passt. Es ist ganz normal, wenn euch, aufregungsbedingt, ein paar Worte nicht einfallen, oder ihr ins Stocken kommt. Ihr dürft aber nicht vergessen, dass euer gegenüber auch bloß ein Mensch ist und bestimmt auch schon in der gleichen Situation war – also durchaus Verständnis für euch hat. Ich fand diesen Teil schon recht anspruchsvoll, aber keinesfalls unmöglich. Die „Interviewerin“ hat sich übrigens die ganze Zeit Notizen gemacht und meine Antworten notiert. Das gesamte Pre-Screening ging ca 10-15 Minuten.

Nach dem Gespräch ging es wieder zurück in Wartebereich 2, in dem ich dann auch nochmal 10 Minuten warten musste. Man wird dann wieder gruppenweise aufgerufen und bekommt mitgeteilt, ob man es in die nächste Runde geschafft hat oder nicht. Leider war der Tag schon hier für einige zu ende. Ich und die mit mir aufgerufenen Bewerber hatten es geschafft und kamen in Wartebereich 3 (dem Letzten). Auch hier hieß es erstmal warten, wobei ich bereits nach 10 Minuten von einer Psychologin zum Gespräch abgeholt wurde.

Das psychologische Gespräch ist nochmal etwas umfangreicher und detaillierter als das Pre-Screening. Hier saß man sich, wie auch im Pre-Screening, gegenüber. Die Psychologin startete das Gespräch mit ein paar lockeren Fragen:

  • Wie war Ihre Anreise?
  • Mussten Sie früh aufstehen?
  • Macht es Ihnen etwas aus, so früh aufzustehen?

Anschließend ging es dann mit dem eigentlichen Gespräch los. Die ersten Fragen waren eigentlich exakt die gleichen wie bereits im Pre-Screening. Ich hatte das Gefühl, dass damit der Wahrheitsgehalt meiner Aussagen und meine Authentizität überprüft werden sollte. Nachdem ich die Fragen nochmals beantwortet hatte, ging es dann aber schon eher ins Detail und es wurde, meiner Meinung nach, anspruchsvoller.

  • Haben Sie bereits Erfahrungen mit anderen Kulturen?
  • Wie haben Sie diese Auslandserfahrung wahrgenommen?
  • Wie haben Sie ihre Zeit in der USA wahrgenommen? Haben Sie Schwierigkeiten gehabt?
  • Was sind Ihrer Meinung nach Unterschiede in der Kultur und dem Verhalten der Menschen von Japanern und Deutschen?
  • Was sagen Sie zu dem Satz „Flugbegleiter sind Kellner der Lüfte“?
  • Versuchen Sie sich in die Lage eines Lufthansa Flugbegleiters hineinzuversetzen: Wie rechtfertigen Sie das Servicekonzept und die Strategie der Lufthansa vor Anderen?

Das sind jetzt so alle Fragen, die mir noch eingefallen sind. Nach den Fragen kam dann noch das berühmte Rollenspiel dran. Die Psychologin verkörperte dabei eine Economy Class Passagierin in einer der letzten Sitzreihen und ich den Flugbegleiter, der gerade den Essens-Service durchführt. Die Passagierin ist Vegetarierin, doch leider habe ich nur noch das Essen mit Fleisch zur Auswahl. Ich sollte das Problem zugunsten der Passagierin lösen. Das gesamte Gespräch dauerte ca 20-30 Minuten. Danach wurde ich wieder in Wartebereich 3 gebracht (Es hatte mittlerweile 19:00).

Wir wurden wieder in Gruppen aufgerufen. Ich und 4 andere Bewerber wurden vor eine Fotowand geführt auf der die Skyline von New York abgebildet war. Uns wurde im Beisein von vielen Flugbegleitern mitgeteilt, dass wir es geschafft hätten und ab jetzt Mitarbeiter der Lufthansa wären. Natürlich haben wir uns erstmal tierisch gefreut! Anschließend gab es für jeden die bekannten Bordkarten für das bestandene Casting. Dann noch ein Foto mit der Gruppe und den Flugbegleitern und ab ging´s zum Einführungsfilm. In dem kurzen Clip sieht man das, was Lufthansa wirklich auszeichnet und das, wovon wir ab jetzt ein Teil sind. Zum Abschluss musste ich mich noch online registrieren und dann konnte ich nach Hause fahren (20 Uhr).

Als kleines Fazit kann ich sagen, dass es sich, trotz der Wartezeit, wirklich gelohnt hat, dass Casting anstatt dem Assessment Center zu machen. Es war zwar ein ganzer Tag, den man opfern musste, aber dafür hatte man sofort die Gewissheit, ob man es geschafft hat oder nicht. Ich kann jedem raten, der überlegt Flugbegleiter zu werden: Geht zum Casting! Ich hab im Gespräch mit den Flugbegleitern erfahren, dass die ersten Kandidaten schon um 7.00 vor den verschlossenen Türen standen. Natürlich waren die dann auch als erstes wieder draußen, aber durch die ganzen netten Leute und Flugbegleiter vergeht die Zeit sowieso wie im Flug.

Wie gehts jetzt weiter? Ich habe jetzt erstmal meinen Lehrgangstermin gebucht (03.08.17) und die Zuverlässigkeitsüberprüfung absolviert. Als nächstes muss ich zum medizinischen Dienst der Lufthansa und mich auf Flugtauglichkeit überprüfen lassen. Wenn alles gut geht, starte ich dann planmäßig am 03.08.17 meinen Lehrgang in München und werde euch natürlich nichts vorenthalten.

Ich habe oben natürlich nur die Fragen aufgeschrieben (mit den Antworten wäre es dann doch etwas umfangreich geworden). Wenn ihr die Antworten gerne haben wollt, schreibt mir einfach und ich schick sie euch.

Viele Grüße,
Lennart

©2016 www.aviation-life.com

6 Comments

  1. Elli

    Antworten

    Hey Lennart,
    ich finde deinen Post über das Casting wirklich sehr gut und hilfreich. Ich will auch auf ein Casting gehen. 🙂
    Bei der Frage mit dem Psychologen „Versuchen Sie sich in die Lage eines Lufthansa Flugbegleiters hineinzuversetzen: Wie rechtfertigen Sie das Servicekonzept und die Strategie der Lufthansa vor Anderen“, was hast du da geantwortet? Ich wüsste spontan gar nicht, was ich dazu sagen sollte und beim Rollenspiel, wie hast du da reagiert?
    Auf eine baldige Antwort würde ich mich sehr sehr freuen.
    Liebe Grüße,
    Elli

  2. Andrea

    Antworten

    Hi Lennart,

    Sende mir doch. Bitte die Antworten wäre klasse!
    Ich will mich jetzt bewerben

    Lg Andrea

  3. Stella

    Antworten

    Ich habe mir gerade deinen Bericht durchgelesen. Er ist sehr informativ und hilfreich.
    Könntest Du mir wenn möglich noch die antworten von den Fragen schicken.
    MfG
    Stella

    • lennart

      Antworten

      Hallo Stella,

      mein Casting ist 3 Jahre her und die Fragen wurden mittlerweile komplett geändert. Solltest Du trotzdem noch Fragen haben, dann schicke mir jederzeit eine e-mail.

      Liebe Grüße,
      Lennart

  4. antonia

    Antworten

    hallo, bald steht der Termin für mein eigenes Casting an und ich wollte fragen wie du diese Frage beantwortet hast:
    Versuchen Sie sich in die Lage eines Lufthansa Flugbegleiters hineinzuversetzen: Wie rechtfertigen Sie das Servicekonzept und die Strategie der Lufthansa vor Anderen?

    • lennart

      Antworten

      Hallo Antonia,

      mein Casting ist mittlerweile 3 Jahre her und ich kann dir versichern, dass diese Fragen nicht mehr gestellt werden. Solltest Du trotzdem noch Fragen haben zum Ablauf oder ähnlichem, dann kannst du mir gerne eine e-mail schreiben. Ansonsten drücke ich Dir die Daumen, dass das alles klappt.

      Liebe Grüße,
      Lennart

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